Die emotion kennen vor allem weibliche Leser:innen: Ein Magazin mit den Marken „Slow“ „emotion“ und Working Women. Ausgerichtet auf die moderne Frau von heute, die arbeitet und Care Arbeit locker unter einen Hut kriegt, aber natürlich auch struggled im Leben und deshalb auch auf Retreat und Erholung setzt – vor allem auf Selfcare, Loslassen und Entschleunigung.
Die neuen Verleger
Jedes Jahr wird nun vom Magazin zum emotion Women´s Day geladen – damals noch mit Verlegerin Dr. Katarzyna Mol-Wolf, als Aushängeschild und perfekte Verkörperung der Zielgruppe. Nach der Übergabe an die neuen Herausgeber Timo und Patricia Busch und nach der Insolvenz ist Dr. Mol-Wolf natürlich kein Teil mehr davon, da sie nun erfolgreich ihre eigenen Frauenkreise mithilfe von einem Autokonzern bildet – in dem es um ein besseres Mindset dank exklusiver Dinner Abende, Tennis oder Golf – Spas im Süden Deutschlands geht, um Frauen wieder neuen „Mut“ finden zu lassen.
Deshalb wundert es sicher nicht, dass nach ihrem Weggang andere große Marken hier nicht mehr auftauchen wie zum Beispiel die Techniker Krankenkasse, die letztes Jahr noch einen riesigen Stand auf dem emotion Women´s Day hatten. Dieses Jahr präsentiert sich die DAK und was soll man sagen: Wechseljahre sind dort am Stand das Thema – sehr passig für die Zielgruppe, die vom Altersdurchschnitt alle in den Wechseljahren stecken.
Aufgebot an großen Marken
Die Marken des emotion Women´s Day sind jedenfalls sehr passig ausgesucht: ob Douglas, Lavera, Melitta, more nutrition oder bonprix – alle bieten Proben oder zumindest Informationen für die Frau von heute.
Auf den ersten Blick eine Veranstaltung, bei der jede Frau hin sollte, die sich mit Themen wie Work-Life-Balance, Longevity und Selfcare beschäftigt.
Was auffällig ist: Die Marken präsentieren sich teils mit einem schick hergerichteten Stand, teils mit selbst gebastelten Glücksrädern, teils – wenn man nachfragt – aber auch ohne Inhalte.
Social Washing?
So hat man das Gefühl, dass YSL mit ihrem Aufruf „Liebe ohne Gewalt“ eher auf das mediale Echo von Collien Ulmen-Fernandes aufspringt, ohne inhaltlich zu werden. Auf Nachfrage am Stand wird natürlich betont, dass sich die Marke sich gegen „Gewalt für Frauen“ einsetzt, aber so konkrete Beispiele oder Fälle ihrer Aktionen gibt es nicht. Außer die Antwort, dass sie Geld geben an NGOs – man möchte meinen, es ist Social Washing. Und wenn man mehr als 2 Minuten am Stand steht, merkt man eigentlich auch nur, dass Frauen, die kommen, die kleinen Proben abgreifen wollen, ohne inhaltlich zu hinterfragen, was hier eigentlich passiert. Schade, denn das Thema ist wichtig und kein „Trendthema“, sondern dauerhaft präsent, nicht erst seit dem Fall Ulmen-Fernandes. Natürlich ist es wichtig, sich einzusetzen, wenn es um „Gewalt gegen Frauen“ geht, aber irgendwie konkreter.
Weiter geht es zu einem Stand von more nutrition. Proteinriegel aufgeschnitten, für die hungrigen Frauen – denn es gibt kein kostenfreies Essensangebot trotz hohem Eintrittspreis. Keiner hinterfragt die Marke, die sich so präsent auf einer Veranstaltung für Frauen präsentiert, mit einem Geschäftsführer, der massiv in der Kritik steht und mit seinen Verhaltensweisen nicht gerade ein Paradebeispiel für den Umgang mit Frauen ist. Und wenn man Kritik am Riegel übt, wird man zurecht gewiesen mit den Worten: „Dann iss halt was Anderes“ – und ja, das tun wir dann wohl auch, vielleicht ohne weniger kritischen Süßstoff.
Fazit: Es wirkt wie eine große Werbeveranstaltung, zu der allerdings auch nur ein bestimmtes Klientel an Frauen angesprochen wird.
Natürlich müssen solche Veranstaltungen getragen werden von solch großen Unternehmen, aber man wünscht sich, dass auch inhaltlich Diskussionen und Themen entstehen, die divers und in die Tiefe gehend sind und nicht nur Marketing-Sprech verfolgen. Es fehlen die Frauen, die wirklich aus ihrem Lebensalltag erzählen, die nicht Social Media Creator:innen oder Marketing – Menschen sind. Die Bubble zu öffnen, das täte den neuen Impulsen gut.
Wir haben auf jeden Fall den Impuls daraus, eigene Frauenveranstaltungen zu machen, die diverser und vielfältiger ist.