Neue Kunst und Erinnerungs Ausstellung

Spurensuche im Schatten der Geschichte: Eine Ausstellung in Hamburg bewegt – von Salome Ernst

Wer durch die Hamburger Innenstadt geht, kommt kaum an ihm vorbei: dem Turm des Mahnmal St. Nikolai. Zwischen modernen Bürohäusern erinnert die Ruine der einstigen Hauptkirche an die zerstörerischen Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs und an die Fragilität von Erinnerung. Genau hier beginnt eine Ausstellung, die Geschichte auf eine sehr persönliche Weise erzählt.

Unter dem Titel „Auf der Suche nach der verlorenen Erinnerung“ zeigt die Hamburger Fotokünstlerin Katrin Jakobsen eine eindringliche fotografische Serie über Familiengeschichte, Schweigen und die Suche nach Wahrheit. Zu sehen ist die Ausstellung vom 5. März bis 6. April 2026 im Gewölbekeller des Mahnmals – der Eintritt ist frei.  

Wenn ein Fund die Vergangenheit öffnet

Die Geschichte hinter der Ausstellung beginnt mit einem Zufallsfund: einem kleinen roten Notizbuch.

Nach dem Tod ihres Vaters entdeckt Jakobsen darin sein Kriegstagebuch aus dem Jahr 1945. Über diese Zeit hatte er zu Lebzeiten kaum gesprochen – über seine Jugend im Nationalsozialismus ebenso wenig wie über seine Zeit in russischer Kriegsgefangenschaft.

Für die Künstlerin wird das Tagebuch zum Ausgangspunkt einer Reise. Sie folgt den Stationen ihres Vaters quer durch Europa – über Tschechien, Rumänien, Ungarn bis in die Ukraine – und fotografiert Orte, Landschaften und Stimmungen, die mit den Tagebucheinträgen in Verbindung stehen.

Die Bilder sind keine historischen Rekonstruktionen. Vielmehr entstehen fotografische Antworten auf Erinnerungen, ein stiller Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.  

Zwischen persönlicher Geschichte und kollektiver Erinnerung

Die Serie gehört zu Jakobsens längerfristigem Projekt „Vaterland“, in dem sie sich mit deutscher Familiengeschichte und Erinnerungskultur auseinandersetzt. Ihre Arbeiten wurden bereits international ausgestellt, doch in Hamburg entfalten sie eine besondere Resonanz.

Denn viele Besucherinnen und Besucher erkennen in der Geschichte der Künstlerin ein vertrautes Muster: das Schweigen der Kriegsgeneration, die fragmentarischen Erinnerungen, die Fragen der Nachgeborenen.

Die Ausstellung zeigt, wie sehr private Familiengeschichten mit der großen Geschichte Europas verwoben sind.

Ein Ort, der Geschichte spürbar macht

Dass die Ausstellung im Mahnmal St. Nikolai stattfindet, verleiht ihr zusätzliche Tiefe.

Die Kirche wurde während der Operation Gomorrha im Sommer 1943 zerstört. Heute dient der Ort als Gedenkstätte und Museum – und als Raum für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte, die sich mit Krieg, Erinnerung und Verantwortung auseinandersetzen.  

Im gedämpften Licht des Gewölbekellers wirken Jakobsens Fotografien besonders intensiv. Sie laden dazu ein, innezuhalten – und über die eigene Familiengeschichte nachzudenken.

Gespräch über die NS-Familiengeschichte

Begleitend zur Ausstellung findet am 1. April 2026 um 19 Uhr eine Diskussionsveranstaltung statt.

Unter dem Titel „Present Past – Wie Nachfahren ihre NS-Familiengeschichte erforschen“ spricht der Historiker Johannes Spohr gemeinsam mit Katrin Jakobsen und der Illustratorin Paula Mittrowann über persönliche Recherchen, überraschende Entdeckungen und die Herausforderungen bei der Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte.  

Ausstellung in Hamburg: Die wichtigsten Infos

Titel: Auf der Suche nach der verlorenen Erinnerung

Ort: Mahnmal St. Nikolai, Weinkeller

Zeitraum: 5. März – 6. April 2026

Vernissage: 5. März 2026, 19 Uhr

Eintritt: frei

für mehr Info über Hamburg hier

Für mehr Info hier

Schreibe einen Kommentar