Laufen ohne Plastik – runamics

Laufen ohne Plastik – runamics

Wenn man glaubt, nachhaltig und bewusst zu leben, erwischt man sich im Alltag dann doch mit kleineren oder größeren Umweltsünden. So geschehen bei Steffen Otten, der als begeisterter Läufer irgendwann bemerkte, dass seine Laufkleidung vorwiegend aus Plastik bestand. Noch schlimmer: Wäscht man diese Kleidung, sondert sie Mikroplastik ab, die dann ins Gewässer fließen und letztendlich im Meer landen und es verschmutzen. Mit diesem unguten Gefühl durch die Natur zu laufen, die man liebt, in Kleidung, die der Umwelt schadet, verursachte einen immer größer werdenden Konflikt in Steffen. Und vor allem ein noch größer werdendes schlechte Gewissen, mit dem er sich irgendwann beim Sport machen nicht mehr wohl fühlte. Und je länger er sich mit Sportkleidung befasste, umso mehr stellte er fest, dass nicht nur Plastik das Problem ist, sondern auch die Chemikalien, mit denen die Kleidungsstücke behandelt wurden und die oft für Hautirritationen sorgten. All seine Erkenntnisse legten den Grundstein für seine Vision, Sportbekleidung ohne Plastik und Chemie herzustellen: runamics.

Aber runamics ist weitaus mehr. Als Betriebswirt verfolgte Steffen Otten von Anfang an das „Cradle

– to – Cradle“ System: kein Abfall, denn alle Materialien sind in den biologischen Kreislauf rückführbar (kompostierbar) oder technisch kreislauffähig, aus denen neue Produkte entstehen können.

Hinter runamics steht mittlerweile nicht nur Steffen Otten (35 Jahre), sondern auch Modedesignerin Lena Nix und Fotograf Henning Heide. Ihr gemeinsames Ziel: die erste „Cradle-to- Cradle“ zertifizierte Sportmarke der Welt werden.

Henning (41 Jahre), der erst später hinzu kam, erntete für seine Entscheidung auch viel Widerspruch. Viele fragten, warum er, als erfolgreicher Fotograf, sich ausgerechnet im Modebereich etablieren will. Oder er wurde konfrontiert mit den Worten: „Kümmert euch doch lieber um wichtigere Themen“. Er verließ sich aber voll und ganz auf sein Bauchgefühl mit dem Wissen: Das wird was – denn auch plastikfreie Sportkleidung ist Teil einer besseren (Um-)Welt. Und dass Gegenwind immer positiv aufzunehmen ist und erst recht umgewandelt werden muss in Gutes.

In der Dreier-Konstellation Steffen, Henning und Lena funktionieren sie perfekt zusammen. Für den Erfolg suchen sie sich gern Menschen, die ihre Vision unterstützen,

die konstruktiv helfen (so wie aktuell die Werkstudentin Lina im Kundensupport). Jeder ist in seinem Bereich sehr gut, aber zum Teil unfähig im Bereich des Anderen und somit ergänzen sie sich in all ihren Fähigkeiten. Steffen, der eher für Vertrieb und Marketing zuständig ist, Henning, der kreative Profi mit dem Blick aufs Visuelle und Netzwerker, sowie Lena, die mit ihrer Erfahrung als Modedesignerin dazu beiträgt, das moderne, funktionsfähige Design zu gestalten. Seit 2019 machen sie gemeinsame Sache, im März 2020 gingen sie in die Öffentlichkeit. Ob Corona ihnen dabei geschadet hat? Henning und Steffen beantworten die Frage ohne zu zögern mit einem klaren Nein. Denn die Situation hat ihnen noch mal verdeutlicht, dass man „Out of the Box“ denken und handeln muss und ursprüngliche Pläne (zum Beispiel große Sportevents von

sich zu überzeugen) auch mal über den Haufen werfen muss. „Du darfst dich nie von der eigenen Angst bremsen lassen“, so Steffen. Und Henning ergänzt: „Man bereut es, wenn man es nicht macht“. Mit runamics wollen sie etwas Sinnstiftendes schaffen, durch ihre Crowdfunding Kampagne wussten sie, dass ihr Anliegen einen Nerv trifft und dass Menschen bereit sind, ihr Konsumverhalten zu ändern. Genau das ist es auch, was Steffen und Henning sich erhoffen: den wahllosen Konsum zu durchbrechen, Menschen zu sensibilisieren, dass weniger einfach besser ist. Keine Impulskäufe mehr, von denen die Hälfte auf dem Müll landet. Selbstverständlich ist es nicht einfach, das in den

Köpfen zu platzieren, so sind wir doch eine Konsumgesellschaft, die von klein auf lernt, zu kaufen. Beide sprechen sich nicht gegen das Kaufen aus, sondern eher gegen das unüberlegte Kaufen, dass weder nachhaltig noch bewusst ist. Konsum ist in Ordnung, wenn es keinen Schaden anrichtet. Daher legen sie ihren Fokus neben „Cradle-to-Cradle“ auch auf „Slow Fashion“. Man hat nicht viele Teile, sondern nur eins, was vielleicht teurer war, dafür aber einfach länger hält.

Beide sehen sich mit ihrer Marke als Pioniere auf dem Markt.

Ähnlich verhielt es sich, als das Thema vegetarische Ernährung damals aufkam: Es gab kaum Produkte am Markt, die auf vegan oder vegetarisch zugeschnitten waren. Doch heute, da sich immer mehr Menschen mit fleischloser Ernährung befassen, denken auch die Hersteller um und

produzieren eine viel größere Auswahl und Möglichkeiten für die Konsumenten.

Und genau das möchte runamics auch: Wahlmöglichkeiten bieten – an plastikfreier Kleidung für den Sport. So planen sie bis 2022 weitere Innovationen.

Als Unternehmen, dass Konsumenten anspricht, kann man neue Impulse setzen und sich entsprechend positionieren. Themen wie Umweltschutz sind nicht neu, es gibt sie schon lange. Doch das Bewusstsein dafür ist stärker geworden. Die kommende Generation stellt wichtige Fragen, möchte umdenken und anders konsumieren. Nicht umsonst gehen Kids bei

„Fridays for Future“ auf die Straße, denn es herrscht eine Art Aufbruchsstimmung, wenn es um den Schutz der Natur geht.

Nicht umsonst betitelt man runamics als Impact-Startup. Obgleich die Marke natürlich wirtschaftlich sein muss, um zu exisiteren, geht es nicht primär um Profit. Es geht vor allem darum, beim Kauf ethisch korrekt zu handeln. Der runamics Newsletter preist daher konsequenterweise nicht nur die eigenen Produkte an, sondern stellt auch neue Entdeckungen und Wissenswertes in Sachen Nachhaltigkeit vorgestellt.

Henning setzt beispielsweise auf plastikfreie Kaugummis, da in herkömmlichen Kaugummis viel Plastik im Bindematerial steckt. Steffen, hat sich einen hauseigenen Kompostierer angeschafft, wodurch viel weniger Abfälle im Hausmüll landen. Seiner Meinung nach lassen sich auch zu Hause viele Kreisläufe schließen und 2/3 des Hausabfalls wieder verwerten. Eine Philosophie ganz im Sinne von runamics.

Mit ihrer Arbeit entsteht ein ganz neues unternehmerisches Denken und Handeln und zu wünschen bleibt, dass es noch viel mehr solcher innovativen Ideen gibt. Denn dafür geben wir vom ELBBLICK Magazin gern Geld aus.

https://www.runamics.com

Fotos: Henning Heide www.runamics.com

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