Die Affäre

Fragt man Menschen, ob sie schon einmal eine Affäre hatten, bejahen die meisten. Jeder hat sich in solch einer verzwickten Situation wiedergefunden: Entweder man hat betrogen, man wurde betrogen oder man war der oder die Geliebte. Eine emotionale Belastungsprobe für alle und vor allem, wenn zur Affäre auch noch Gefühle hinzu kommen. Die wenigsten Paare trennen sich nach einer Affäre, wagen noch einmal den Neuanfang. Zurück bleibt der oder die Geliebte. Beziehungszerstörer, Beziehungsdiebe, diese Worte fallen oft. Doch der Kern des Problems ist nicht der oder die Geliebte und auch ein Neuanfang ist nicht die Garantie für bestehendes Glück, es sei denn, man stellt sich seinen eigenen Problemen und fängt an, sein Verhalten zu reflektieren. Nina Deißler, erfolgreiche Buchautorin, Beziehungsexpertin in Sachen Liebe, sprach mit ELBBLICK Magazin über das Phänomen der „Affäre“ und was dies für alle Seiten bedeutet.

Warum hat man eine Affäre?

Meistens weil einem in der aktuellen Beziehung etwas fehlt oder weil es einfach zu langweilig geworden ist: Das Gefühl von Verliebtheit verebbt nach zwei bis drei Jahren, wenn man nicht aktiv etwas dafür tut. Manchen Menschen erscheint es leichter, aus dem Alltag mit dem festen Partner zu fliehen und den „Kick“ woanders zu suchen, als Energie in die Beziehung zu geben.

Manchmal ist es auch eine Frage der sexuellen Bedürfnisse: Manche Menschen kommen mit ihrem Partner im Alltag prima zurecht – aber bestimmte sexuelle Bedürfnisse werden nicht erfüllt oder finden keinen Platz in der Beziehung.

Kann es sein, dass man sich wirklich verliebt hat?

Verlieben können wir uns zum Glück immer: Verliebt zu sein heisst, dass wir eine starke Anziehung zu jemandem spüren und all unsere Träume, Wünsche und Begierden auf diesen Menschen projizieren. Ein wunderschönes Gefühl – man sollte nur nicht glauben, dass dies das Zeichen ist, mit diesem Menschen eine Beziehung beginnen zu müssen.

Die Statistik sagt, dass sich die meisten Paare sich nicht trennen – warum?

Ein alter Spruch sagt: Warum die Kuh kaufen, wenn man die Milch auch so haben kann.

Männer suchen Affären häufiger, wenn sexuelle Bedürfnisse in ihrer Beziehung nicht erfüllt werden – das ist ja kein Grund, gleich die Partnerin zu wechseln. Zumindest aus männlicher Sicht – ich kann das sogar nachvollziehen.

Was rätst du Paaren für einen Neuanfang?

Was ist der Neuanfang? Wenn der Partner erwischt worden ist und dann „reumütig“ zurückkehrt?

Eine Affäre ist das deutlichste Zeichen, dass mindestens einer von beiden in der Beziehung nicht glücklich ist. Es geht hier nicht um Schuld – aber beide sind daran beteiligt. Einen Neuanfang kann es nur geben, wenn beide auch bereit sind, ehrlich zueinander zu sein und über ihre Bedürfnisse, Wünsche und Herausforderungen zu reden und einander wirklich zuzuhören.

Vielleicht möchte der, der betrogen hat, auch beide Partner behalten. Daher die Frage: Glaubst du an Polyamorie?

Ich glaube fest daran, dass man mehr als einen Menschen lieben kann. Ich weiß aber auch genau so gut, dass Beziehungen mit mehr als zwei Menschen zunehmend kompliziert werden. Eine Beziehung besteht – genau wie ein Geschäft – aus zwei übereinstimmenden Willenserklärungen. Das Problem ist halt: Liebe ist ein Gefühl – und Liebe ist bedingungslos. Beziehung wiederum ist eine Situation und hat Bedingungen.

Niemand kann gleichzeitig Schwimmen gehen und Bergsteigen. Auf dem Land und in der Stadt wohnen. Oder eben mit einer Partnerin zusammen sein und mit einer zweiten auch – obwohl eine von beiden das nicht will und es zur Bedingung macht.

Und wenn man es dennoch möchte – was ist die Herausforderung in so einer Paarbeziehung?

Die Herausforderung in ALLEN Beziehungen ist, dass wir Beziehung auf Basis gegenseitiger Angebote eingehen sollten, nicht auf Basis von Bedürfnissen bzw. Bedürftigkeit. Dann könnten wir möglicherweise das Besitzdenken, was den Partner angeht loslassen und es bliebe viel Ärger und Kummer erspart. Wir haben immer Angst, einen Menschen zu verlieren – und dabei bemerken wir gar nicht, dass der andere uns gar nicht gehört.

Im Übrigen – liebe Frauen:

Es ist wichtig einen Mann zu finden, der im Haushalt mit hilft, der von Zeit zu Zeit kocht, aufräumt und noch dazu einen guten Job hat. Es ist wichtig einen Mann zu finden, der Dich zum Lachen bringt. Es ist wichtig einen Mann zu finden, auf den Du Dich verlassen kannst und der nicht lügt. Es ist wichtig einen Mann zu finden, der gut im Bett ist und der gerne mit Dir Sex hat. Am wichtigsten aber ist, dass diese vier Männer nichts voneinander wissen!

In zahlreichen Foren wird immer den Betrogenen mit Rat zur Seite gestanden. Der oder die Geliebten erfahren keine Hilfe, weil man sie als „Zerstörer“ einer Beziehung ansieht. Dabei tragen alle, auch die Betrogenen, eine Mitschuld, dass es überhaupt so weit kommen konnte, weil sie die Bedürfnisse des Partners nicht achteten. Was rätst du Geliebten?

Niemand kann einer Geliebten sagen, was sie tun soll – denn sie wird immer das tun, was sie glaubt, tun zu müssen. Und das ist fast immer das Gegenteil von dem, was auf lange Sicht vernünftig wäre. Jeder Mensch weiss doch, was er eigentlich tun sollte – und dennoch ist oft die Sehnsucht nach dem, was am unwahrscheinlichsten ist am größten.

Ich rate jedem Klienten, die den Mann oder die Frau als Partner haben möchte, den Kontakt abzubrechen und dem Mann zu sagen, dass er jederzeit willkommen ist, wenn er eine richtige Partnerschaft haben möchte und auch kann. Der Spruch „Ich will ja wirklich, aber ich kann nicht“ ist reine Augenwischerei: Wenn ein Mann etwas wirklich will, dann setzt er Himmel und Hölle in Bewegung, um es zu bekommen. Wenn er das nicht tut, will er nicht wirklich – sich das einzugestehen, kann sehr weh tun.  Oft hofft die Geliebte, dass es irgendwann die große Auflösung gibt und sie endlich die Bestätigung bekommt, dass sie „die bessere Frau“ ist. Und dafür  ist sie sogar bereit, sich anzustrengen – doch dabei vergisst sie, dass man Liebe nicht verdienen kann.  Ich kenne auch Frauen, die sind gerne Geliebte, weil sie nur die schönen Seiten bekommen (den Sex, die Aufmerksamkeit) und den Alltag nicht haben müssen. Wer das möchte, ist damit ja vielleicht gut bedient. Der Nachteil ist, immer die 2. Geige zu spielen – das muss man können.

Viele bleiben oft „Langzeit-Singles“, weil sie von ihrer Affäre nicht loskommen.

Wie kann man sein Glück dennoch finden?

Selbstachtung wäre ein guter Anfang. Viele Menschen, die in Langzeitaffären stecken haben in Wahrheit Angst vor einer echten Beziehung. Ihr Angst, nicht gut genug zu sein, spiegelt sich in der Affäre wieder. Sie werden keinen anderen Partner kennen lernen, solange sie in die Affäre verliebt sind.

Was ist dein Liebes- und Lebensmotto?

Das Leben ist ein Abenteuer – und bei einem Abenteuer geht es nicht darum, wie es endet, sondern was man währenddessen erlebt und lernt.

Mehr zu Nina Deißler auf

http://www.kontaktvoll.de

 

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