Was tun bei Liebeskummer?

„Die Liebe ist die Lösung des Lebensrätsels, der Hass die verzehrende Sehnsucht danach“ – Heinrich Lhotzky (1859-1930). Zur Liebe kann man vieles sagen, doch es gibt auch Schattenseiten, so ist an Valentinstag nichts Schlimmer als Liebeskummer – glaubt man. Das muss nicht sein und auch Liebeskummer ist nichts, was einen verzweifeln lassen sollte. Wir sprachen mit Elena-Katharina Sohn, erfolgreiche Buchautorin zweier Bücher zum Thema Liebeskummer und gleichzeitig Inhaberin der Agentur „Die Liebeskümmerer“ zum Thema Liebe und Glücksherzen.

Valentinstag – Zeit für Verliebte. Wie geht man ausgerechnet an dem Tag am besten mit seinem Liebeskummer um?

Ganz einfach: Indem man sich einen genauso schönen Tag gönnt, wie man ihn sich sonst von seinem Liebsten gern hätte bereiten lassen. Das kann heißen: Mit der Freundin ins Lieblingsrestaurant, endlich mal eine Stunde zur Thai-Massage, auf ein Konzert – was auch immer Spaß macht! Wir machen uns oft viel zu sehr davon abhängig, dass wir dies und das angeblich nur mit einem Partner machen können – das ist Blödsinn!

Wie sind Sie dazu gekommen, zwei Bücher zu diesem Thema zu schreiben?

Als ich meine Agentur „Die Liebeskümmerer“ gegründet hatte, gab es einmal einen großen Artikel im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung über uns – fast eine ganze Seite lang. Daraufhin meldeten sich drei Verlage bei mir und fragten, ob ich über meine Arbeit schreiben möchte. Bei der Lektorin vom Ullstein Verlag, die inzwischen eine liebe Freundin ist, hatte ich das beste Gefühl und bin ins kalte Wasser gesprungen. Ein Buch zu schreiben, war schon immer ein Kindheitstraum – aber von allein wäre ich damals auf keinen Fall auf so einen großen Verlag zugegangen.

Wie unterscheiden sich beide Bücher voneinander? 

„Schluss mit Kummer, Liebes“, mein erstes Buch, waren wahre Kurzgeschichten von Menschen mit Liebeskummer. Echte „Fälle“ also. „Goodbye Herzschmerz“, das im März 2016 erschienen ist, ist hingegen ein Ratgeber, wie man Liebeskummer überwindet und neuem Liebeskummer vorbeugen kann.

Sie erwähnten vorhin Ihre Agentur „Die Liebeskümmerer“ – was genau macht diese?

Wir sind ein Team aus neun Psychologen, Therapeuten und Coaches und beraten Menschen mit Liebeskummer live, am Telefon, per Skype oder Mail. Und weil einfach jeder Liebeskummer haben kann, richten wir uns auch an alle Menschen. Es kommen zwar vor allem Frauen und Männer zwischen 25 und 50, aber auch den 72-Jährigen und die 18-Jährige hatten wir schon dabei.

Liebeskummer ist eine Form von Trauer, denn es hat ja mit Verlust zu tun. Was ist normaler Liebeskummer und wann sollte man sich Hilfe holen?

Richtig, Liebeskummer ist wie ich finde sogar ein sehr wichtiger Prozess, in dem auch sehr viel Gutes steckt – wir kommen uns näher, justieren uns neu und Vieles mehr. Aber er darf natürlich nicht so schlimm werden, dass wir zum Beispiel über Wochen völlig außer Gefecht gesetzt sind, nicht arbeiten können, stark abnehmen oder dass es gar zu Suizidgedanken kommt. Dann ist professionelle Hilfe sofort angebracht! Außerdem, wenn der Kummer sehr lang dauert und sich chronifiziert – laut medizinischer Diagnostik wäre das ab einer Grenze von über zwei Jahren. Wobei ich finde, dass niemand so lang zu warten braucht. Das einzige Kriterium ist eigentlich: Wünsche ich mir Hilfe, ja oder nein?

Gibt es Grundregeln, wie man am besten mit dem Herzschmerz umgeht?

Man sollte sich selbst gegenüber sehr verständnis- und liebevoll sein und sich vor allem fragen: Was gibt es in meinem Leben eigentlich noch, was mich glücklich macht? Bin ich wirklich so sehr auf diesen einen Menschen angewiesen, der im Zweifelsfall ja gar nicht mit mir zusammen sein will? Die eigene Zeit ist in diese anderen „Glücksquellen“ vermutlich wesentlich besser investiert, als in ständige Gedanken an den oder die Ex.

Kann man überhaupt „allein“ aus dem Liebeskummer kommen? Wie lange dauert das in der Regel – oder ist das bei jedem individuell?

Liebeskummer dauert meist viel länger, als man so denkt. Ein Jahr ist ganz normal. Und natürlich kann man ihn oft auch allein überwinden. Ich würde aber behaupten: Mit professioneller Unterstützung ist die Chance, dass man aus der Krise auch noch etwas Großartiges für sich mitnimmt, viel größer. Man spricht dann von posttraumatischem Wachstum.

Und was sollte man auf keinen Fall tun?

Sich selbst für die Liebe zu einem anderen Menschen aufgeben.

Es gibt das sogenannte „Glücksherz“, das Sie entwickelt haben. Was genau ist das?

Das Glücksherz steht als Symbol für das gesammelte Lebensglück, das ein Mensch in seinem Leben besitzt. Ich lasse meine Kunden es zu Beginn der Beratung oft zeichnen und sage: Jetzt schraffiere mal, welche Glücksquellen es in Deinem Herzen gibt und wie groß diese sind. Viele zeichnen ihr Herz dann zu 90% mit Partnerschaft voll und nur noch 10% mit so etwas wie Familie oder Job oder Hobbies. Wer sein Herz so „aufstellt“, das erkennen die Leute sofort, wird natürlich immer massiven Kummer haben, wenn eine Partnerschaft in die Brüche geht, weil das komplette Herz zerbricht. Wenn ich hingegen fünf, sechs ähnlich große Bereiche habe, aus denen ich mein Lebensglück schöpfe und Partnerschaft ist nur einer davon, dann wird mich Liebeskummer nie mehr so existenziell schwer treffen.

Und wenn ich mein Glücksherz mit so vielen Dingen fülle, widerspricht es sich nicht dann, sich auf einen neuen Partner einzulassen? Wenn ich doch mein Herz mit so viel anderem gefüllt habe?

Nein, im Gegenteil. Denn: Wer sein Lebensglück ausschließlich auf Partnerschaft aufbaut, torpediert damit fast immer seine Beziehungen. Denn solche Menschen sind abhängig von ihrem Partner und verwechseln das mit Liebe. Abhängigkeit ist für jede Beziehung Gift, denn der Abhängige steht nicht für seine eigenen Bedürfnisse ein, klammert oft oder ist extrem eifersüchtig. Das führt zwangsläufig zu Konflikten oder das Gegenüber verliert das Interesse bzw. fühlt sich bedrängt.

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